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Pferdewetten und Glücksspielsurvey 2024: Was Deutschland über Glücksspiel denkt

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Wie viele Deutsche spielen tatsächlich? Wer wettet, wer dreht am Automaten, und wer kauft Lottoscheine? Der Glücksspielsurvey 2024, durchgeführt von forsa im Auftrag des Verbandes der Deutschen Automatenindustrie (VDAI), liefert die bislang aktuellsten und umfassendsten Antworten auf diese Fragen — auf Basis einer repräsentativen Befragung der Bevölkerung zwischen 16 und 70 Jahren.

Für den Pferdewettenmarkt sind diese Daten aus mehreren Gründen relevant. Sie zeigen, wo Pferderennen im Gesamtspektrum des Glücksspiels stehen, wie sich die Teilnahme über die Jahre entwickelt hat und welche Rückschlüsse sich für Regulierung und Spielerschutz ziehen lassen. In einem Markt, dessen Wettumsatz 2024 mit 30,8 Millionen Euro einen neuen Rekord erreichte, ist die Frage nach dem Spielverhalten der Bevölkerung alles andere als akademisch. Was die Zahlen verraten — und was nicht —, analysiert dieser Artikel.

Kernergebnisse des Survey

Die Schlagzeile des Glücksspielsurvey 2024 ist auf den ersten Blick wenig überraschend: Rund 80 Prozent der 16- bis 70-Jährigen in Deutschland haben mindestens einmal in ihrem Leben an einem Glücksspiel teilgenommen. Spannender wird es bei der 12-Monats-Prävalenz — also dem Anteil derjenigen, die in den vergangenen zwölf Monaten tatsächlich gespielt haben. Dieser Wert liegt bei 43 Prozent, was hochgerechnet auf die Bevölkerung etwa 23 Millionen Menschen entspricht.

Die beliebteste Form bleibt mit Abstand das Lottospiel. Zahlenlotto, Eurojackpot und Sofortlotterien dominieren das Teilnahmeranking seit Jahrzehnten und werden auch 2024 von der Mehrheit der Spielenden genutzt. Sportwetten folgen mit deutlichem Abstand, haben aber in den vergangenen Jahren spürbar zugelegt — insbesondere bei jüngeren Männern zwischen 18 und 35.

Online-Glücksspiel gewinnt weiter an Bedeutung. Die Studie zeigt einen kontinuierlichen Anstieg der Online-Teilnahme über alle Glücksspielformen hinweg. Besonders ausgeprägt ist der Trend bei Sportwetten und Casino-Spielen, wo inzwischen ein erheblicher Teil des Umsatzes digital generiert wird. Die Zugänglichkeit des Smartphones als Wettplattform hat die Einstiegshürde gesenkt und die Nutzungshäufigkeit erhöht.

Was die Problemspielquote betrifft, liefert der Survey eine Entwarnung mit Einschränkungen. Der Anteil der Personen mit problematischem oder pathologischem Spielverhalten hat sich im Vergleich zur BZgA-Erhebung von 2019 nicht signifikant verändert. Das bedeutet allerdings nicht, dass das Problem kleiner geworden wäre — die absolute Zahl der Betroffenen bleibt hoch, und die Verlagerung ins Online-Segment bringt neue Risikoprofile mit sich.

Ein Befund, der Aufmerksamkeit verdient: Die Studie zeigt einen Zusammenhang zwischen Werbepräsenz und Spielteilnahme. Befragte, die häufig Glücksspielwerbung wahrnehmen, gaben öfter an, in den vergangenen Monaten gespielt zu haben. Die Kausalität ist damit nicht bewiesen — es könnte auch sein, dass aktive Spieler Werbung schlicht stärker wahrnehmen —, aber der Befund nährt die Debatte um Werberegulierung im Glücksspielbereich.

Bemerkenswert ist auch die Alters- und Geschlechterverteilung. Männer spielen häufiger als Frauen, jüngere Altersgruppen sind überrepräsentiert bei Sportwetten und Online-Casino, während Lotto über alle Demografien hinweg gleichmäßig verteilt ist. Für den Pferdewettenmarkt deutet das auf eine Zielgruppe hin, die eher männlich, eher sportaffin und zunehmend digital unterwegs ist — ein Profil, das sich mit den Nutzerdaten der großen Pferdewetten-Plattformen deckt.

Der Survey bestätigt zudem, dass die Gesamtausgaben der Spieler moderat bleiben. Die Mehrheit der Befragten gibt an, weniger als 50 Euro pro Monat für Glücksspiel auszugeben. Hohe Einsätze konzentrieren sich auf eine kleine Minderheit, die jedoch einen überproportionalen Anteil des Umsatzes generiert — ein Muster, das auch im Pferdewettenbereich zu beobachten ist.

Pferdewetten im Gesamtkontext

Pferdewetten fristen im Glücksspielsurvey ein Nischendasein — was die Realität des Marktes widerspiegelt. Im Vergleich zu Lotto, Sportwetten oder Automatenspielen ist der Anteil der Bevölkerung, der auf Pferderennen wettet, verschwindend gering. Der Survey weist Pferdewetten typischerweise in einer Sammelkategorie zusammen mit anderen Rennwetten aus, was eine isolierte Betrachtung erschwert.

Das liegt weniger an methodischen Schwächen als an der tatsächlichen Verbreitung. Der deutsche Pferdewettenmarkt mit seinem Gesamtumsatz von 30,8 Millionen Euro im Jahr 2024 ist im Vergleich zum Sportwettenmarkt, dessen Bruttospielertrag allein online mehrere Milliarden Euro erreicht, ein Randphänomen. Die Zahl der aktiven Pferdewetter in Deutschland dürfte im niedrigen sechsstelligen Bereich liegen — zu wenige, um in einer repräsentativen Befragung mit Standardstichproben statistisch belastbare Einzelergebnisse zu liefern.

Dennoch lassen sich aus dem Survey Rückschlüsse ziehen, die für den Pferdewettenmarkt relevant sind. Die allgemeine Zunahme der Online-Teilnahme betrifft auch Pferderennen. Die Verlagerung des Wettumsatzes von der Rennbahn ins Internet, die die Kennzahlen des Deutschen Galopp e.V. belegen, spiegelt einen gesamtgesellschaftlichen Trend wider, der im Survey klar dokumentiert ist.

Auch das Risikoprofil der Sportwetter ist für Pferdewetten-Enthusiasten aufschlussreich. Der Survey zeigt, dass Sportwetter im Vergleich zu Lottospielern ein erhöhtes Risiko für problematisches Spielverhalten aufweisen. Ob sich dieses Muster eins zu eins auf Pferdewetter übertragen lässt, ist nicht belegt — die Wettstrukturen unterscheiden sich erheblich —, aber die grundsätzliche Mechanik von Echtzeit-Wetten mit schneller Ergebnisrückmeldung ist bei beiden Formen ähnlich.

Was der Survey nicht erfasst, ist die qualitative Seite des Pferdewettenmarktes. Die durchschnittliche Wettfrequenz, die typische Einsatzhöhe und die bevorzugten Wettarten bei Pferderennen bleiben im Dunkeln, weil die Stichprobe zu wenige Pferdewetter enthält, um belastbare Aussagen zu treffen. Für eine evidenzbasierte Regulierung des Pferdewettensektors wäre eine gezielte Zusatzbefragung wünschenswert — ein Punkt, den der Deutsche Galopp e.V. in seinen Branchenberichten immer wieder thematisiert. Solange diese Daten fehlen, bleibt die Regulierung des Pferdewettenmarktes auf Ableitungen aus dem allgemeinen Sportwetten-Segment angewiesen.

Vergleich mit früheren Erhebungen

Der Glücksspielsurvey 2024 steht nicht isoliert, sondern reiht sich in eine Serie von Erhebungen ein, die den deutschen Glücksspielmarkt über die Jahre vermessen. Die wichtigste Vergleichsbasis bildet der BZgA-Glücksspielsurvey 2019, die letzte große repräsentative Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zu diesem Thema.

Die BZgA bezifferte 2019 die Zahl der problematischen und pathologischen Spieler in Deutschland auf rund 430 000 — aufgeteilt in etwa 229 000 mit problematischem und 200 000 mit pathologischem Spielverhalten. Dieser Wert dient bis heute als Referenzgröße in der politischen Debatte, obwohl er auf Daten basiert, die noch vor der vollständigen Umsetzung des GlüStV 2021 erhoben wurden.

Der forsa-Survey 2024 zeigt, dass sich die Gesamtprävalenz problematischen Spielverhaltens auf einem ähnlichen Niveau bewegt. Das ist insofern bemerkenswert, als der Online-Markt zwischen 2019 und 2024 massiv gewachsen ist — sowohl legal als auch illegal. Man hätte erwarten können, dass die leichtere Zugänglichkeit von Online-Glücksspiel zu einem Anstieg der Problemquote führt. Dass dies nicht eingetreten ist, könnte auf die Wirksamkeit der Regulierung hindeuten — oder darauf, dass die Effekte noch nicht vollständig sichtbar sind.

Methodisch sind die Surveys nur bedingt vergleichbar. Die BZgA nutzte ein anderes Screening-Instrument als forsa, die Stichprobengrößen und Altersgruppen unterscheiden sich, und der Zeitraum zwischen den Erhebungen umfasst eine Pandemie, die das Spielverhalten temporär beeinflusst hat. Trends lassen sich ablesen, aber keine exakten Veränderungsraten berechnen.

Was sich zwischen den Erhebungen verändert hat, ist vor allem die Marktstruktur. 2019 war der legale Online-Glücksspielmarkt in Deutschland noch weitgehend unreguliert; der GlüStV 2021 existierte bestenfalls als Entwurf. 2024 operiert der Markt unter einem vollständig implementierten Regulierungsrahmen mit Lizenzierung, LUGAS, OASIS und Werbeauflagen. Dass die Problemquote bei dieser grundlegend veränderten Ausgangslage stabil geblieben ist, lässt sich als Erfolg der Regulierung lesen — aber ebenso als Hinweis darauf, dass die Regulierung die Risiken des Online-Spiels bestenfalls auffängt, nicht eliminiert.

Konsequenzen für Regulierung und Spielerschutz

Die Ergebnisse des Survey fließen direkt in die laufende Evaluierung des Glücksspielstaatsvertrags ein — ein Prozess, der die regulatorischen Rahmenbedingungen für alle Glücksspielformen in Deutschland, einschließlich Pferdewetten, neu justieren könnte.

Daniela Ludwig, zum Zeitpunkt der GlüStV-Einführung Drogenbeauftragte der Bundesregierung, hatte die Dringlichkeit des Spielerschutzes auf den Punkt gebracht: Die Suchtgefahr bei Online-Glücksspiel sei zu hoch, um bei dem Thema ein Auge zuzudrücken. Diese Haltung prägt die Regulierungsdebatte bis heute und wird durch die Survey-Daten gestützt, die zeigen, dass Online-Spieler ein erhöhtes Risikoprofil aufweisen.

Für den Pferdewettenmarkt sind drei regulatorische Szenarien denkbar. Das erste: Verschärfung der Einzahlungslimits oder Werberestriktionen, die alle Glücksspielformen gleichermaßen treffen und den ohnehin kleinen Pferdewettenmarkt zusätzlich unter Druck setzen könnten. Das zweite: Eine differenziertere Regulierung, die das vergleichsweise niedrige Risikoprofil von Pferdewetten — weniger schnelle Spielzyklen, geringere Frequenz — anerkennt und entsprechend mildere Auflagen vorsieht. Das dritte: Der Status quo bleibt im Wesentlichen bestehen, weil die Evaluierung keine dramatischen Veränderungen der Problemlage feststellt.

Was die Zahlen verraten, ist am Ende eine Momentaufnahme. 43 Prozent der Deutschen haben 2024 gespielt, die Problemquote ist stabil, der Online-Trend setzt sich fort. Für den Pferdewettenmarkt bedeutet das: Die Rahmenbedingungen bleiben intakt, aber die Aufmerksamkeit der Regulierer ist hoch. Wer in diesem Markt aktiv ist — als Anbieter oder als Wetter —, tut gut daran, die nächste Runde der GlüStV-Evaluierung aufmerksam zu verfolgen.